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Die Übergangseinrichtung: Ankommen, Stabilität finden und neue Perspektiven entwickeln

In dieser Artikelreihe möchten wir das Drogentherapie-Zentrum Berlin (DTZ) näher vorstellen.

Nach einer medizinischen Entgiftung stehen viele Menschen vor einer entscheidenden Phase: Alltag und Wohnsituation sind oft unklar und die nächsten Schritte müssen erst gefunden werden. Unsere Übergangseinrichtung in Friedrichshain bietet dafür einen geschützten, drogenfreien Rahmen, der Orientierung ermöglicht und den Übergang in eine weiterführende Maßnahme wie eine Therapie oder betreutes Wohnen erleichtert.

Ein Ort der Stabilität und Struktur

Im Mittelpunkt der Einrichtung steht die Chance, Schritt für Schritt wieder zu einem selbstbestimmten Alltag zurückzufinden. Struktur, Stabilität und Gemeinschaft tragen dazu bei, dass die Bewohner*innen Verantwortung übernehmen, Rückzugstendenzen abbauen und soziale Nähe wieder zulassen können. Das Team begleitet diesen Prozess aufmerksam und unterstützt dabei, eigenes Vertrauen und Selbstwirksamkeit neu zu entdecken.

Sozialarbeiterin Boglárka Balázs beschreibt es so: „Die Übergangseinrichtung ist ein Ort für Menschen, die nach einer medizinischen Entgiftung nicht in ihr altes Umfeld zurückkehren können oder möchten - weil die Rückfallgefahr zu hoch ist oder weil sie keinen festen Ort mehr haben, an den sie gehen können.“

Die Übergangseinrichtung ist eine besondere Wohnform und bietet 14 Plätze auf zwei Etagen. Die Bewohner*innen leben in geschlechtergetrennten Doppelzimmern, für Frauen stehen zusätzlich eigene Badezimmer zur Verfügung. In Ausnahmefällen können Paare gemeinsam wohnen.

Tagesstruktur, Kreativität und gemeinsame Zeit

Der Tag startet mit einem gemeinsamen Frühstück und einer kurzen Runde, in der der Tagesablauf besprochen wird. Danach übernehmen die Bewohner*innen feste Aufgaben im Haus, zum Beispiel in der Küche, im Haushalt oder bei der Wäsche. Diese wiederkehrenden Strukturen geben Halt und unterstützen dabei, nach und nach ein Gefühl für einen regelmäßigen Alltag zurückzugewinnen.

Eine besondere Rolle dabei spielt die Kreativwerkstatt. Dort können die Bewohner*innen Töpfern, Siebdruck oder Malen ausprobieren - ein Raum, in dem neue Fähigkeiten entdeckt und eigene Stärken ausprobiert werden können.
„Viele Bewohnerinnen haben vielleicht nie gelernt, einen Alltag selbst zu gestalten. Hier lernen sie das Schritt für Schritt neu“, erläutert Boglárka Balázs.

Vor allem Bewegung und gemeinsame Aktivitäten haben einen festen Platz im Alltag: Sport im eigenen Fitnessraum, Spaziergänge, Museumsbesuche oder ein gemeinsamer Kino- oder Bowlingabend sorgen für Leichtigkeit und verbinden die Menschen im Haus. Viele Bewohner*innen erleben durch die Konsumstörung* Phasen der Isolation. Hier entsteht ein Raum, in dem man wieder Anschluss findet, Beziehungen aufbauen kann und langsam eigene Interessen zurückkehren.

 

Therapievorbereitung und individuelle Begleitung

Die Bewohner*innen nehmen regelmäßig an Gruppen- und Einzelgesprächen teil. In den Gruppen werden Themen wie Rückfallprophylaxe, Selbstreflexion oder soziale Kompetenzen aufgegriffen. Die zusätzliche Frauengruppe schafft einen geschützten Raum, in dem eigene Fragen, Erfahrungen und Bedürfnisse zur Sprache kommen können.

In Einzelgesprächen unterstützt das Team bei persönlichen Anliegen - etwa bei Behördenkontakten, gesundheitlichen Fragen oder familiären Themen. Das multiprofessionelle Team ist hierfür durchgängig ansprechbar und bringt unterschiedliche fachliche Hintergründe sowie teilweise eigene, frühere Konsumerfahrungen ein. Ergänzend bestehen Kooperationen mit externen Partnern wie der Caritas und medizinischen Diensten.

 

Klare Rahmenbedingungen - ein geschützter Raum

Das Zusammenleben in der Übergangseinrichtung orientiert sich an einem respektvollen und gewaltfreien Miteinander. Drogenkonsum, Gewalt und diskriminierendes Verhalten sind nicht mit dem Konzept vereinbar. Klare und verlässliche Rahmenbedingungen tragen dazu bei, dass ein sicherer Ort entsteht, an dem Stabilisierung möglich ist.

Gleichzeitig ist die Übergangseinrichtung weit mehr als eine Station im Hilfeprozess. Sie bietet Zeit und Raum, um zur Ruhe zu kommen, Orientierung zu finden und die nächsten Schritte vorzubereiten. Im Mittelpunkt steht das Ziel, Menschen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes und drogenfreies Leben zu unterstützen.

Kontakt und Aufnahme

Aufgenommen werden Personen ab 18 Jahren, die

  • eine medizinische Entgiftung abgeschlossen haben und eine Therapie oder weiterführende Maßnahme planen,
  • ihre Entgiftung eigenständig durchgeführt haben und zum Zeitpunkt der Aufnahme nachweislich abstinent sind,
  • nach einer Therapie in eine betreute Wohnform wechseln möchten,
  • nach Haftentlassung oder Therapieabbruch eine Phase der Stabilisierung benötigen.

Die Kostenübernahme erfolgt in der Regel über das zuständige Sozialamt. Für Klient*innen aus anderen Bundesländern sollte diese idealerweise vor der Aufnahme geklärt werden.

* Hinweis zur Sprache

Im Drogentherapie-Zentrum Berlin verwenden wir vorrangig den Begriff Konsumstörung, um eine respektvolle und entstigmatisierende Sprache zu fördern. Der Begriff Sucht wird ergänzend verwendet, wenn er für das fachliche Verständnis oder den jeweiligen Zusammenhang notwendig ist.