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Fachambulanz Sucht: Ambulante Rehabilitation mitten im Leben

In dieser Artikelreihe möchten wir das Drogentherapie-Zentrum Berlin (DTZ) näher vorstellen.

Die Fachambulanz Sucht im DTZ begleitet Menschen mit Konsumstörung* ambulant, so dass gewohnte Lebensstrukturen wie Beruf oder Familie beibehalten und gleichzeitig therapeutische Unterstützung genutzt werden kann. So wird ein abstinentes Leben nicht nur während der Therapie möglich, sondern lässt sich auch mit all seinen Herausforderungen und Chancen in den Alltag integrieren.

Für wen ist die Fachambulanz Sucht geeignet?

Die Fachambulanz Sucht richtet sich an bereits abstinent lebende Menschen mit unterschiedlichen Konsumstörungen und problematischen Verhaltensweisen, etwa im Zusammenhang mit Drogen, Alkohol oder Medikamenten, Glücksspiel, übermäßigem Kaufverhalten sowie Sexualität oder Pornografie.

Viele Rehabilitand*innen kommen nach einer Entgiftung oder nach einer stationären Therapie, andere möchten ihre Abstinenz festigen und ihr Leben neu ordnen. Eine gefestigte Tagesstruktur ist hierfür hilfreich, aber keine Voraussetzung.

Lena Stelzel, die therapeutische Leitung der Fachambulanz, betont:

„Je mehr Faktoren im Äußeren geregelt sind, desto mehr Raum bleibt, sich mit inneren Themen auseinanderzusetzen.“

Die Fachambulanz Sucht trifft jede Person dort, wo sie steht und bietet einen sanften Einstieg in die therapeutische Arbeit, der es ermöglicht, sich zunächst zu orientieren und Vertrauen aufzubauen.

Struktur, Sicherheit und Begleitung

Mit 80-100 Behandlungsplätzen in acht festen Gruppen, darunter eine frauenspezifische Gruppe, wird hier für ein umfangreiches Angebot gesorgt. Einzel- und Gruppengespräche finden im wöchentlichen Tonus und zu unterschiedlichen Tageszeiten statt.

Viele Rehabilitand*innen erleben die Fachambulanz Sucht zunächst wie einen sicheren Hafen, in dem sie ankommen können, ohne sofort viel über sich preisgeben zu müssen. Lena Stelzel beschreibt es so: „Manche bleiben am Strand und schauen, andere tippen mit dem Zeh ins Wasser, und manche tauchen. Alles ist in Ordnung - es geht immer in dem Tempo, das die Person mitbringt.“

Die Erfahrung zeigt, dass allein das gemeinsame Ankommen in der Aufnahmegruppe oft Ängste abbaut und die Motivation stärkt, das eigene abstinente Leben Schritt für Schritt selbstbestimmt zu gestalten. Die Aufnahmegruppe gibt den Rehabilitand*innen die Möglichkeit, erst einmal zuhören zu können, ohne sich persönlich öffnen oder sich mit den anderen auszutauschen zu müssen.

Traumasensibel und individuell

Neben Struktur und Sicherheit legt die Fachambulanz Sucht einen besonderen Wert auf traumasensible, individuell zugeschnittene Therapieansätze. Dabei wird besonders darauf geachtet, sensibel mit den Erfahrungen der Rehabilitand*innen umzugehen. Viele haben belastende oder traumatische Erlebnisse hinter sich, die oft über Jahre unbewusst den Konsum beeinflusst haben.

„Wenn Menschen abstinent werden, ploppt plötzlich vieles wieder auf“, erklärt Lena Stelzel. Die therapeutische Arbeit setzt deshalb zuerst auf Stabilisierung, nicht auf schnelle Aufarbeitung. Rehabilitand*innen lernen, sich selbst zu regulieren, innere Sicherheit aufzubauen und Wege zu finden, mit Belastungen umzugehen, ohne in alte Muster zurückzufallen.

Dabei kommen vielfältige Methoden zum Einsatz:

  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie, Systemische Therapie
  • Traumatherapeutische Verfahren wie EMDR, Brainspotting, Ego State
  • Körperorientierte und achtsamkeitsbasierte Interventionen, z. B. Atemtechniken, Klopftechniken, Akupressur-Ringe

„Es gehört ganz viel Mut dazu, sich selbst zu begegnen. Und deshalb habe ich einen ganz tiefen, großen Respekt für alle Menschen, die hierherkommen.“ - Lena Stelzel

Ein erfahrenes Team

Die Fachambulanz Sucht arbeitet mit einer Ärztin und sieben Therapeut*innen, die unterschiedliche Schwerpunkte abdecken und auch komorbide Diagnosen wie ADHS, Belastungsstörungen oder Chemsex- und Sexualtherapie-Themen begleiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit weiteren DTZ-Einrichtungen können flexible und individuelle Wege angeboten werden. Perspektivisch ist zudem ein Angebot für Menschen in Substitutionsbehandlung geplant, um die Aufrechterhaltung stabiler Alltagsstrukturen zu unterstützen.

Der Weg nach der ambulanten Rehabilitation

Die ambulante Rehabilitation dauert bis zu eineinhalb Jahre und gliedert sich in drei Phasen: Ankommen, intensive therapeutische Arbeit und Konsolidierung. Gegen Ende werden die Termine reduziert, um einen fließenden Übergang in die Eigenständigkeit sowie gegebenenfalls in Selbsthilfegruppen oder eine weiterführende Therapie zu ermöglichen. Die Fachambulanz unterstützt auch bei beruflicher Orientierung oder beim Fortführen der Berufstätigkeit während der Therapie, so dass Rehabilitand*innen ihre Lebensziele weiterverfolgen können.

Ein Ort, der trägt

Die Fachambulanz Sucht bietet mehr als Therapie: Sie schafft einen Raum, in dem Abstinenz nicht nur gehalten, sondern mit Leben gefüllt werden kann. Hier können Menschen Stabilität erfahren, neue Perspektiven entwickeln und Schritt für Schritt ihr Leben selbstbestimmt gestalten - mitten im Alltag.

Interessierte können die Fachambulanz telefonisch oder per E-Mail erreichen sowie die offene Sprechstunde besuchen. So lässt sich gemeinsam herausfinden, wie die Unterstützung genau auf die eigene Situation abgestimmt werden kann und ein selbstbestimmtes, abstinentes Leben gestärkt wird.

* Hinweis zur Sprache

Im Drogentherapie-Zentrum Berlin verwenden wir vorrangig den Begriff Konsumstörung, um eine respektvolle und entstigmatisierende Sprache zu fördern. Der Begriff Sucht wird ergänzend verwendet, wenn er für das fachliche Verständnis oder den jeweiligen Zusammenhang
notwendig ist.