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Fachklinik LAGO: Therapie, Gemeinschaft und Selbstbestimmung am Wannsee

In dieser Artikelreihe möchten wir das Drogentherapie-Zentrum Berlin (DTZ) vorstellen.

Nach der Fachambulanz Sucht*, die ambulant Unterstützung im Alltag bietet, richten wir nun den Blick auf ein stationäres Angebot. Denn wenn alte Muster noch tief verwurzelt sind, kann der Schritt in ein neues Leben sehr herausfordernd sein. Eingebettet zwischen Wasser und Wald, nur eine kurze Strecke von Berlin entfernt, schafft die Fachklinik LAGO Abstand vom bisherigen Alltag. Rehabilitand*innen erhalten hier einen Raum zum Nachdenken und die Kraft, neue Perspektiven zu entwickeln.

Individuelle Behandlungsangebote

Die Fachklinik LAGO begleitet Menschen mit stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben ohne Konsumstörung*. Als Teil des DTZ vereint die Klinik medizinische Rehabilitation mit einem ganzheitlichen, ressourcenorientierten Therapieansatz. Dadurch werden insbesondere Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und tragfähige Lebensstrukturen gefördert.

In der Fachklinik LAGO können bis zu 68 Menschen stationär behandelt werden. Von Beginn an werden die Rehabilitand*innen aktiv in den Therapieprozess eingebunden. Ziele werden gemeinsam entwickelt, Entscheidungen transparent besprochen und individuelle Stärken gezielt gefördert.

Die Therapie ist multimodal und richtet sich nach den Bedürfnissen der Rehabilitand*innen. Neben medizinischer Betreuung durch Fachärzt*innen und Pflegefachkräfte gehören psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche zum Programm. Ergänzt wird dies durch Sport-, Ergotherapie, Arbeitstherapie, Kunsttherapie sowie durch pferdegestützte Therapie, die den therapeutischen Prozess auf besondere Weise unterstützt.

Agnes Hemeyer, therapeutische Leitung der Fachklinik LAGO, erzählt: „Die Suchterkrankung greift so massiv in alle Lebensbereiche ein, dass wir hier nicht nur Psychotherapie machen. Unser Ziel ist es, Menschen auf allen Ebenen zu stärken.“

Aktive Mitgestaltung und klare Strukturen

Ein zentrales Element der Therapie ist die aktive Beteiligung. Schon im Vorgespräch wird geprüft, ob die Fachklinik LAGO der richtige Ort ist. Voraussetzung ist dabei die Bereitschaft, verbindlich an Therapien teilzunehmen und sich auf Gruppenarbeit einzulassen. Der Alltag folgt einem klar strukturierten Phasenmodell, das Schritt für Schritt mehr Eigenverantwortung ermöglicht. So lernen die Rehabilitand*innen, ihre Zeit zu organisieren, Aufgaben zu planen und soziale Kompetenzen zu stärken.

Dr. med. Frank Puchert, Chefärztliche Leitung, fasst die Idee zusammen:

„Es geht auch darum, dass die Menschen hier eine informierte Entscheidung treffen und ihre Selbstwirksamkeit und Selbstorganisation stärken - nicht die Abhängigkeit von Autoritäten.“

Alltag, Gemeinschaft und Freizeit

Die klare Tagesstruktur gibt Halt und schafft zugleich Raum für Begegnung, Bewegung und persönliche Interessen. Die Freizeitgestaltung ist ein fester Bestandteil des therapeutischen Konzepts: Spaziergänge am Wannsee, Kanutouren, Ausflüge oder Kulturveranstaltungen fördern Entspannung und stärken das Gemeinschaftserleben. Vor Ort stehen Beachvolleyballfelder, Tischtennisplatten, Musik- und Fitnessräume sowie Leihfahrräder zur Verfügung.

Auch die Gemeinschaft selbst bildet einen tragenden Bestandteil des therapeutischen Rahmens. Hemeyer betont: „Gerade bei Scham- und Schuldgefühlen zeigt sich, wie wertvoll die Gruppe ist: Man erkennt sich in anderen wieder und merkt, dass man nicht allein ist.“

Adaption – Die Brücke zurück in den Alltag

Die Adaption ist ein weiterführendes, stationäres Programm, das den Übergang in ein selbstständiges Leben unterstützt. In modernen Einzelapartments können die Rehabilitand*innen Schritt für Schritt Verantwortung für den Alltag übernehmen. Hier kann erlernt werden, Arbeit, Freizeit und persönliche Verpflichtungen miteinander zu verbinden, Abstinenz zu festigen und Strategien zur Rückfallprävention zu entwickeln.

Externe Praktika, Jobcoaching und sozialarbeiterische Beratung bereiten die Rehabilitand*innen gezielt auf ein selbstbestimmtes Leben nach der Therapie vor. Gemeinsam werden weitere Schritte geplant, etwa ambulante Nachsorge, betreutes Wohnen oder auch Anschluss an Selbsthilfegruppen. Auf diese Weise kann die im Rahmen der Therapie erarbeitete Stabilität im Alltag erprobt und gefestigt werden - während die therapeutische Begleitung weiterhin Unterstützung bietet.

Aufnahme, Zielgruppe und erster Kontakt

Die Fachklinik LAGO nimmt Frauen, Männer und Paare ab 18 Jahren auf. Voraussetzung sind eine abgeschlossene körperliche Entgiftung, eine gültige Kostenübernahme und die Bereitschaft, sich auf eine Lebensgestaltung ohne Konsumstörung einzulassen.

Der erste Schritt ist ein unverbindliches Vorgespräch, das telefonisch, schriftlich oder vor Ort stattfinden kann. Alle Interessierten sind willkommen - unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Bildung oder Herkunft. Interessierte können sich jederzeit an die Fachklinik wenden, um erste Fragen zu klären oder ein Vorgespräch zu vereinbaren.

Am Ende geht es darum, dass Menschen ihr Leben nach eigenen Zielen und Werten gestalten können. - Dr. med. Frank Puchert

* Hinweis zur Sprache

Im Drogentherapie-Zentrum Berlin verwenden wir vorrangig den Begriff Konsumstörung, um eine respektvolle und entstigmatisierende Sprache zu fördern. Der Begriff Sucht wird ergänzend verwendet, wenn er für das fachliche Verständnis oder den jeweiligen Zusammenhang notwendig ist.